Dienstag, 25. August 2009

Как мы живем, erste Eindruecke

Wo? Wo anfangen, womit den Haken schlagen von Deutschland nach Kasachstan? Ich traue mich nicht recht, jetzt schon bestimmte Ansichten zu vertreten und Wertungen abzugeben. In den letzten Tagen habe ich so viele interessante Menschen kennen gelernt wie in den letzten zehn Jahren nicht. Trotz der harten Magendarm-Geschichten und der unfreiwilligen Radikaldiät fühle ich mich so lebendig wie nie zuvor. Mein Körper ist schwach und am Ende, aber dieses Gefühl endlich zu leben, im Hier und Jetzt und nicht dauernd an die Zukunft zu denken, es ist einfach unglaublich.
Ich habe so ein tiefes Glück gespürt diese Woche, dass es schwer in Worte zu fassen ist. Keine einzige negative Erwartung hat sich in der vergangenen Woche erfüllt. Es ist möglich, dass sich das noch ändert, aber bisher habe ich keine einzige schlechte Erfahrung gemacht. Kasachstan ist nicht ein weiteres Russland. Kasachstan ist viel schöner, reicher und liebenswerter als man es sich je vorstellen könnte ohne hier gewesen zu sein. Die Landschaft ist schön – die Steppe in ihren unendlichen Weiten, die türkisblauen Seen, die sich irgendwo im Nirgendwo ansammeln, die Wattewolken am Himmel, die grünen und gletscherbedeckten Berge im Süden. Das Land ist reich nicht nur an Naturressourcen, sondern auch so reich an Gastfreundschaft, dass das schlechte Gewissen, nicht einmal ansatzweise das zurückgeben zu können was man bekommt, in der Seele schmerzt. Die Menschen sind insgesamt so offen und freundlich, dabei aber direkt und ehrlich. Kasachstan ist ein Vielvölkerstaat, und unter anderem deshalb sind die Menschen wahrscheinlich auch äußerlich schön. Die Stadtbewohner koennte man als europäische Asiaten bezeichnen, wahrscheinlich befreien sie alleine die russische und kasachische Sprache (eine Turksprache) von anstrengenden ostasiatischen Etiketten. Bisher konnte mir deshalb noch niemand ein (tiefes) kulturelles Fettnäpfchen nennen. Aber vielleicht kommt es noch.

Natürlich gibt es die Korruption, undemokratische Entwicklungen, soziale Ungerechtigkeit – wie könnte man davor die Augen verschließen. Aber trotzdem sind die einfachen Menschen an anderen interessiert und spendierfreudig was ihre Gäste betrifft. Es ist einfach unmöglich, irgendetwas selbst zu bezahlen wenn man sich nicht völlig aufdrängt. Ich hoffe, dass alle, die ihr Portemonnaie für mich geöffnet haben, so schnell wie möglich nach Deutschland kommen und ich die Spendierhose bis zum Zerreißen öffnen kann.
Ich bin so dankbar für all die tollen Menschen, die ich vergangene Woche kennen gelernt habe. Sie fehlen mir schon jetzt. Vielleicht habe ich gerade eine rosa Brille auf und bin von meiner Liebe auf den ersten Blick verblendet, sehe die schlechten Sachen nicht. Ehrlich gesagt hätte ich niemals erwartet, dass mich eine so starke seelische Leidenschaft erfasst wenn ich hier herkomme… was werden die nächsten Monate bringen?
Ich muss mich entschuldigen für diesen Beitrag, er enthält zu viele „Ichs“, das steht fest. Nur wie könnte ich sonst nur ansatzweise die vergangene Woche beschreiben, wie könntet ihr die naechsten Eintraege verstehen, wenn ihr nichts von dieser Liebe auf den ersten Blick wisst?

Heute wurden wir durch die Uni gefuehrt und haben den Direktor kennen gelernt. Wir koennen uns unter anderem an ihn wenden, falls wir Probleme bekommen. Aber ehrlich gesagt habe ich Angst, dass wir dann noch mehr Probleme bekommen! Er hat mit uns geredet, aber nicht angeschaut. So habe ich mir die kasachischen Maenner in den hoeheren Positionen vorgestellt - furchteinfloessend und - so wirkt er zumindest - skrupellos. Ich hoffe mal, dass solche Leute nicht unsere Begeisterung und Liebe zerstoeren werden!

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